Marokko 2018 – Fazit

Wenn auch etwas verspätet, wollte ich als Abschluss noch ein kleines Fazit schreiben.

 

Allgemein

Die Reise nach Marokko war mit einer Dauer von vier Wochen die längste, anspruchsvollste, aber auch die schönste und beeindruckendste Motorrad-Reise, die ich bisher unternommen habe! Knapp 5.000 Kilometer wurden in dieser Zeit zurückgelegt, vermutlich ca. die Hälfte davon offroad. Dass es kein Erholungsurlaub werden würde, war schon vorher klar. Manche Tagesetappen haben mich dann trotzdem noch mehr gefordert, als ich es vorweg erwartet hatte. Mehr als die Husky oder ich hat an solchen Tagen vermutlich mein Mitfahrer Christoph geleistet, der die eine oder andere Jammerei ertragen und es zusätzlich geschafft hat, mich trotz sehr unterschiedlicher Kondition und fahrerischem Skill nicht auf der Strecke zu verlieren. Danke für Deine Geduld! 😉

 

Land

Marokko ist eines der abwechslungsreichsten Länder, die ich bisher bereist habe.
Im Norden bergig, grün und teilweise bewaldet. Im Süden dagegen trocken mit Stein- und Sand-Wüste. Ein riesiger Enduro-Spielplatz, auf den ich bestimmt nochmal zurückkehren werde. Arrangieren musste ich mich mit dem, für meinen Geschmack, eher faden Essen und den Einheimischen, die bei fast jeder Begegnung versuchen einem etwas Geld abzuschwatzen. Man ist niemals so weit draußen, als dass nicht jemand mit nem „seltenen Stein“ um die Ecke kommt, den man unbedingt kaufen soll. Ich kann es den Menschen allerdings aufgrund des so gewaltig unterschiedlichen Lebenstandards auch nicht verübeln.

 

Gepäck

Um für die offroad Strecken möglichst gut vorbereitet zu sein, wurde das Gepäck auf das persönliche Minimum reduziert. Dabei wurden die Sachen im wesentlichen auf drei Taschen mit insgesamt 36 Litern Stauraum verteilt. Auf den ersten Blick nicht viel für 4 Wochen Urlaub. Allerdings kann ich nicht sagen, dass ich unterwegs etwas vermisst hätte. Im Gegenteil gab es tatsächlich ein paar Sachen, die ich hinterher wieder ausgepackt habe, ohne sie benutzt zu haben.

So schlank konnte das Gepäck allerdings auch nur ausfallen, weil wir uns für Übernachtungen in Hotels entschieden hatten und so das gesamte Camping-Geraffel zu Hause bleiben konnte. Das hat auch gut funktioniert, denn die Hotels sind günstig und tatsächlich komfortabler als ich erwartet es hätte.

Ich kann jedem, der eine solche Reise machen möchte nur empfehlen das Gepäck so schlank wie möglich zu halten. Das sagt man zwar jedes Mal, aber wenn man die Karre im Sand wiederholt aufheben muss, ist das auch ohne Campingaxt, Kindle, Fotostativ oder ähnliches schon schwer genug! 🙂 Also WIRKLICH nur das Nötigste…

 

Kosten

Der Urlaub im Land ist vergleichsweise günstig. Für die 4 Wochen in Marokko habe ich im Doppelzimmer ca. 1.000€ bezahlt. Sprit und Verpflegung ist da schon inbegriffen.

Hinzu kommen die Kosten für die Anreise, die für Motorradtransport nach Barcelona, Flug und Fähre grob überschlagen bei 1.500€ gelegen haben. Dafür sind wir aber auch komfortabel nach Barcelona geflogen, um von da aus mit dem Bike auf die Fähre zu fahren.
Das hat wertvolle Urlaubstage gespart, die wir sonst mit der Fahrt auf Stollenreifen durch Europa verbracht hätten.

 

Equipment

Das verwendete Equipment hat sich in den vier Wochen keine Schwäche geleistet.

Die Husky hat auf der gesamten Strecke nicht einmal den Eindruck gemacht, dass ich sie an Leistungs- oder Belastungs-Grenzen bringe. So manche Auswaschung oder große Steine, die ich zu spät gesehen, oder falsch eingeschätzt hatte, hat das Fahrwerk weggesteckt und mir dabei stets ein sicheres Gefühl vermittelt. Daher bin ich wieder einmal sehr froh, dass ich den Schritt hin zu einem leichteren Motorrad gemacht habe. Mit der Tenere oder gar der GS wäre der Urlaub für mich so nicht möglich gewesen!

Die Reichweite des Zusatztanks (insgesamt ca. 350 km) habe ich zwar nicht einmal komplett ausnutzen müssen, allerdings wäre ich mit den 13 Litern die das Motorrad ab Werk bietet, an mehreren Tagen nicht ans Ziel gekommen. Der Einbau hat sich aus meiner Sicht daher gelohnt.

Den Nutzen des Lenkungsdämpfers zu bewerten fällt mir nicht so leicht, da ich so steinige oder sandige Pisten (besonders in der Geschwindigkeit) in Marokko zum ersten Mal gefahren bin. Das Fahren im Sand ist mir allerdings nicht so schwer gefallen, wie ich gedacht hätte. Daher vermute ich, dass er mir doch den einen oder anderen „Abflug“ erspart hat. Mehr hätte vielleicht Christoph sagen können, aber der wollte die Husky nicht fahren, weil er danach vielleicht auch eine haben will, wie er sagte 🙂

Die Taschen von Enduristan, Blizzard für die Seiten und Zusatztasche XS für das Heck, haben mich trotz hoher Beanspruchung nicht im Stich gelassen. Trotz mehrerer Bodenkontakte im Gelände und einem auf der Straße haben die Taschen zuverlässig gehalten und waren Wasser und Staub dicht. Die linke Tasche hing eine Weile direkt am Auspuff ohne durchzuschmelzen und ein Teil des Auspuffs wurde zwischendurch so heiß, dass er sich durch die Verkleidung der Husky geschmolzen hat, nicht aber durch die Beschichtung der Enduristan Taschen! Das hat mich wirklich beeindruckt und hat mein Notebook gerettet, was direkt dahinter gewesen wäre!

Um möglichst viel Bewegungsfreiheit und Belüftung zu haben bin ich die gesamten vier Wochen in Cross Klamotten gefahren. Das würde ich auch wieder so machen. Südlich des Atlas hat es aufgrund der Temperaturen völlig ausgereicht über der Protektor-Jacke ein Trikot zu tragen. Im Norden kam dann noch eine Enduro-Softshell Jacke, oder bei Bedarf eine Regenjacke, drüber.
In meiner Motorrad-Kombi, die ich sonst für Straßen Touren oder auf dem Weg zur Arbeit trage, wäre ich unter der marokkanischen Sonne eingegangen. Außerdem traue ich den Cross-Protektoren auch deutlich mehr Schutz zu, als den Einsätzen in der Motorrad-Kombi.

 

Rallye fahren

Die Tour war für mich ja auch die Chance, ohne den Zeitdruck im Nacken, auf Rallye Strecken zu fahren, um mal einen Eindruck davon zu bekommen, ob das etwas für mich sein könnte. Möglich war dies, weil mein Mitfahrer Christoph 2017 bei der Touareg Rallye mitgefahren ist und so nett war mir seine Roadbooks für diese Tour zu leihen. So konnte ich mit den original Roadbooks auf den Strecken von 2017 fahren und navigieren. Obwohl ich in den Niederlanden und Belgien schon mehrere Roadbook-Touren gefahren bin, war ich überrascht, wie anders sich die Navigation in Marokko manchmal anfühlte. Während die meisten Richtungsänderungen in Europa sehr einfach vom Roadbook auf die Strecke übertragen werden können, brauchte ich in Marokko oft sehr viel guten Willen um den richtigen Track überhaupt als Track zu erkennen. Und ab und zu musste Christoph mit seinen GPS-Aufzeichnungen von der Rallye auch Unterstützung leisten. Allerdings waren einige der Tracks seit der Rallye 2017 vermutlich auch nicht mehr befahren worden und waren daher nur noch schwer zu erkennen. Da ich bei einer echten Rallye ganz sicher nicht ganz vorne fahren würde, wäre die Navigation dann vermutlich durch Spuren anderer Teilnehmer auch etwas leichter.

Ob die Teilnahme an Rallyes tatsächlich etwas für mich ist, kann ich noch nicht beantworten. Zwar hat das Navigieren und Fahren mir unglaublichen Spaß gemacht, aber ob ich solche Strecken unter Zeitdruck mehrere Tage hintereinander fahren möchte (kann?), da muss ich nochmal in mich gehen. Vielleicht geben da auch ein paar weitere Fahrtrainings oder Offroad-Urlaube noch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen…

 

Bloggen im Urlaub

Den Blog gibt es ja noch nicht lange und ich war gespannt, ob ich es durchhalten würde jeden Tag etwas zu schreiben, oder ob es mich sogar irgendwann nerven würde, mich jeden Abend dafür aufzuraffen. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall gewesen!
Die Erlebnisse des Tages noch einmal aufzuschreiben und mit Bildern zu ergänzen ist eine schöne Art den Tag noch einmal zu verarbeiten und hat mir durchgängig Spaß gemacht. Und man hat eine Art ausführliches Tagebuch um sich später nochmal an die Reise zu erinnern.
Wenn ich da an frühere Reisen denke, habe ich davon bestenfalls Fotos, die ich mir ohne einen Bezug zur Situation aber nicht mal mehr selbst gern anschaue. Das wirkt dann eher wie die Dia-Show eines Bekannten, die zwar schöne Motive zeigt, aber nach kurzer Zeit doch langweilig wird. Ich werde nie vergessen, wie mein Bruder auf der Couch neben mir eingeschlafen(!) ist, während ich meiner Familie die Fotos meiner ersten Australien Reise gezeigt habe 🙂
Ein Blog ist da eher unaufdringlich. Wer mitlesen möchte tut es, wer keine Lust hat, der lässt es halt sein.

 

8 Antworten auf “Marokko 2018 – Fazit”

  1. Thomas fahre die Rallye im nächsten Jahr mal mit … dann wird es um so spannender für mich vorm Rechner 🙂 ..
    vlt. könnte sie ja unter dem Motto stehen, dabei sein ist alles …. um den Ralley Druck bisschen rauszunehmen …

    1. Du bist lustig – da auf Sieg zu fahren hatte ich eh nicht im Sinn 🙂
      Aber nächstes Jahr kann ich nicht schon wieder so lange allein Urlaub machen. Meine Frau will ja auch noch was von mir haben.
      Außerdem ist die Tuareg Rallye nächstes Jahr in Algerien. Da muss ich mich erstmal schlau machen, wie das da so ist…
      Auf jeden Fall noch mehr Sand als in Marokko, das hab ich schon gesehen.

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